Familie Jakob Rapp

Jakob Rapp, geb. am 04. Oktober 1867 und seine Frau Fanni, geb. am 28.09.1872, wohnten in der heutigen Marktstraße 7. Fanni war eine Schwester von Manchen Rosenstock. Die beiden heirateten am 13.04.1896 in Eiterfeld.

Herr Rapp hatte einen Handel mit Kleidern und Stoffen. In einem Nebenraum des Geschäftes wurde genäht und einige Frauen aus dem Dorf fertigten Kleider auf Bestellung. Hier gab es sogar schon in den 20er Jahren Werbegeschenke in Form von Kleiderbügeln aus der Manufaktur Rapp.

Die Familie Rapp hatte acht Kinder:

Karoline, geb. 16.03.1897.

Leo, geb. 20.05.1898, verst. 02.06.1969.

Max, geb. 14.04.1900, verst. 17.08.1974 in New York.

Johanna, geb. 12.05.1902, verst. 27.09.1980 in New York.

Abraham (Arthur), geb. 31.10.1904, verst. 01.09.1975 in New York.

Minna, geb. 06.12.1906, verst. März 1976 in New York.

Ferdinand, geb. 21.10.1909, verst. 13.03.1987 in New York.

Walter, geb. 17.03.1916, verst. 01.08.1976 in Argentinien.

Jakob Rapp war ein sehr frommer Mann: jeden Morgen legte er seine Tefillin (Gebietsriemen) an und verrichtete, gen Osten gerichtet, sein Morgengebet. Laut der Eiterfelder Chronik kämpfte er im 1. Weltkrieg für sein Vaterland, wurde verwundet und kehrte wieder heim, ebenso seine Söhne Max und Leo, der zweimal verwundet wurde. Jakob Rapp war bis Januar 1933 fast 30 Jahre lang Schriftführer des Kriegervereins. Fanni Rapp wurde als Frau beschrieben, die immer anderen half und Gutes tat, wo sie konnte. Eine Begebenheit aus dem Jahr 1934 zeigt, dass die Eiterfelder ein gutes Verhältnis zu ihren jüdischen Mitbürgern hatten. An einem Freitagabend ging Theodor Hodes am Haus Rapp vorbei, der Sabbat hatte bereits begonnen. Jakob Rapp bat Herrn Hodes hereinzukommen, um das Licht zu löschen. Herr Hodes ging ins Haus, um die Lichter auszumachen. Derweil kamen einige SS Leute am Haus vorbei. Theodor Hodes wurde versteckt bis die Nazis wieder außer Hörweite war. Hätte man ihn in dieser Situation erwischt, hätte das für ihn eine Tracht Prügel oder Schlimmeres bedeutet.

Fanni Rapp, geb. Rosenstock, starb 1935, Jakob Rapp 1936, beide wurden auf dem jüdischen Friedhof in Burghaun beerdigt. Zur Beerdigung von Jakob Rapp begleiteten einige Eiterfelder Bekannte und Nachbarn den Leichenzug, traditionell bis zum Fluss Eitra. Unter denen, die Herrn Rapp das letzte Geleit gaben, war auch Frau Auguste Hodes. Ihr Mann wurde einige Tage später von NS-Ortsgruppenleiter Carl Salzmann bedroht: „Falls deine Frau noch mal bei einer Judenbeerdigung mitgeht, dann wird sie sehen, wo sie hinkommt!“

Die Kinder der Familie Rapp verließen Deutschland und emigrierten in die USA. Sohn Walter hatte ein Schlüsselerlebnis: Als er eines Tages von seiner Arbeit nach Hause kam, kurz nach der Machtergreifung im Frühjahr 1933, wurde er von einigen Nationalsozialisten unter Prügeln und Fußtritten zum Schabbesbalken getrieben und musste diesen abschneiden. Danach fiel es ihm sicher nicht schwer Eiterfeld zu verlassen.

Als er im Jahr 1934 seine Eltern in Eiterfeld besuchte, wurde er von SS Leuten schon vom Zug abgeholt und unter Prügeln mit dem Gummiknüppel ins Dorf getrieben. Er musste auf einen vorher aufgebauten Reisig-Haufen steigen und laut rufen: „Ich bin der größte Schweinehund von Eiterfeld!“ Er bekam Hilfe und verschwand noch in derselben Nacht. Im Mai 1945 kehrte er zurück als amerikanischer Soldat, besuchte seine Nachbarn und ließ sich Hausmannskost schmecken.

Jakob Rapp
Leo Rapp
Postkarte Rapp
Kleiderbügel
Walter Rapp
Grab von Fanni ...
Protokoll Krieg...
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